| Junge Leute erfüllten einfallsreich anspruchsvolle historische Aufgaben |
Bernsteinzimmer auf dem Domplatz nachgebaut Die Havelberger Geschichte kann so viel Spaß bereiten. Und spannend zugleich sein. Diese Erfahrung machten die Teilnehmer am 17. Eurocamp des Landes Sachsen-Anhalt am Sonnabend. Sie mussten Aufgaben im Rahmen eines ganz auf die Historie ausgelegten Stadtspiels lösen. Havelberg. " Wir sind nicht so dumm wie wir aussehen ", versuchte der 18-jährige Andrei aus Molda-wien in der Uferstraße neugierig herüberblickenden und sich eins ins Fäustchen lachenden Jugendli-chen aus der Domstadt klarzumachen. Nun, ja – auf den ersten Blick verbreiteten die sechs Grüpp-chen, die da am Sonnabendnachmittag mit bunten Luftballons, Schleifchen, Bändchen und Perücken – für jede Gruppe in einer ganz bestimmten Farbe – durch die Havelberger Altstadt zogen, einen ge-wissen Hauch von Karnevalsstimmung. Wer auf den Spuren der Geschichte wandelt, kleidet sich ge-wöhnlich etwas anders. " Die Farbeinteilung war nötig, um die einzelnen Gruppen auch unterscheiden zu können. Außerdem steigerte die lustige Ausstattung der Mitglieder den Spaßfaktor erheblich ", erklärte Wolfgang Meyer, Projektleiter im Havelberger Eurocamp. Selbst war er am Sonnabend um gut 880 Jahre gealtert und in die Rolle des Slawenfürsten Wirikind geschlüpft. Dieser verteilte am Rathaus auf Papierrollen auch die ersten Aufgabenstellungen an die Gruppen. Zunächst galt es, an einem etwas umschriebenen Ort auf der Stadtinsel beziehungsweise an ihrem Rande ( zum Beispiel älteste gepflasterte Straße oder eine Stätte, an der heute Ehen geschlossen werden ) jeweils eine Gestalt aus längst vergangenen Zeiten ausfindig zu machen und von dieser den zweiten Teil der Aufgabe zu erfahren. Dieser hatte es dann allerdings wirklich in sich, forderte von den jungen Leuten aus Europa Einfallsreichtum in höchstem Maße. von Dieter Haase Havelberger Volksstimme vom 04. August 2008 So galt es für eine Gruppe, die Domweihe vom 16. August 1170 nachzuspielen. Eine weitere sollte die Geschichte von der Auffindung der Wunderblut-Hostien in Bad Wilsnack nachstellen, eine dritte ein hochseetüchtiges Schiff bauen, das auch eine Sekttaufe aushält. Gruppe vier hatte dafür zu sorgen, dass Zar Peter und das Bernsteinzimmer in Havelberg auftauchten, und Gruppe fünf sich mit der Re-formation zu beschäftigen – dabei insbesondere mit den Havelberger Domherren, die sich nicht an die Ordensregeln hielten. Die letzte Gruppe schließlich musste einen Handelstag aus der Hansezeit ver-anstalten und dazu die wichtigsten vier Havelberger Handelsgüter besorgen: Holz, Salz, Mühlsteine und Getreide. Letzteres bekamen sie, sogar schon in gemahlener Form, in der Steinstraße von einem Hansekaufmann (Detlef Tusk), der es sich hier in einem Biergarten gut gehen ließ, geschenkt. Mit Salz halfen im Anschluss Gaststätten auf der Stadtinsel aus, und Holz fand sich reichlich auf der Spül-insel. Doch was den Mühlstein betraf, sah sich die Gruppe gezwungen, zu improvisieren. Doch für den roten Mauerstein fanden sie beim Handelstag auf dem Domplatz, wo die sechs Gruppen zum Ab-schluss in äußerst heiterer Form ihre Geschichten vortrugen, keinen Abnehmer. " Das hat riesig Spaß gemacht ", strahlte am Ende Olga aus Russland. Die 19-jährige Studentin hatte beim Stadtspiel eine Hauptrolle übernommen – sie stellte eine Pilgerin auf dem Weg zum Wilsnacker Wunderblut dar – und wollte gar nicht mehr raus aus dem schmucken historischen Kleid. Ebenfalls in historische Kostüme schlüpften unter anderen Antje Reichel ( Katharina Hakenbeck ), Detlef Tusk ( Hansekaufmann ), Klaus Kubat ( Werftleiter Cornelius Elling ), Max Tietze ( Schiffszim-mermann ) und Henrik Hempelmann ( Zar Peter ). |
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Die Havelberger Geschichte kann so viel Spaß bereiten. Und spannend zugleich sein. Diese Erfahrung machten die Teilnehmer am 17. Eurocamp des Landes Sachsen-Anhalt am Sonnabend. Sie mussten Aufgaben im Rahmen eines ganz auf die Historie ausgelegten Stadtspiels lösen.