| Lebenshilfe-Werk Magdeburg bietet individuelle Reisen für Menschen mit Behinderung |
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Dem Handicap zum Trotz: Weg in den Urlaub von Kathleen Radunsky, Volksstimme vom 25.August 2009 Menschen mit Behinderungen können inzwischen nahezu eigenständig verreisen. Das Lebenshilfe-Werk Magdeburg bietet seit dem vergangenen Jahr mit seinem Reisedienst " Hin & Weg Reisen " Urlaubsfahrten im In- und Ausland an. Ob Segeln in den Niederlanden, Badeurlaub auf Mallorca oder Reiterhof-Ferien in Sachsen-Anhalt – den Angeboten sind kaum Grenzen gesetzt. Havelberg / Magdeburg. Glücklich sehen Jennifer Karstedt, Annika Willneroth und Sebastian Nowak aus ihren Zelten. Vergangene Nacht haben sie hier im Freien geschlafen – ein außergewöhnliches Erlebnis für die jungen Leute, die mit psychischen und körperlichen Behinderungen leben müssen. Die drei sind gerade im Urlaub, einmal ohne ihre Eltern, ohne Betreuer. Sie genießen die Abwechslung von Schule und Arbeit, sie haben einfach Freizeit. Jennifer ( 18 ), Annika ( 22 ) und Sebastian ( 22 ) verbringen mit ihrer Reisegruppe eine Woche im Erlebnispädagogischen Centrum in Havelberg. "Seit 2005 fahren wir regelmäßig in dieses Centrum ", sagt Gudrun Bergmann. Sie ist pädagogische Mitarbeiterin für ambulante Dienste beim Lebenshilfe-Werk Magdeburg und organisiert seit sechs Jahren die Ferienfahrten für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Dass sie diese auch begleitet, ist für die 49-Jährige selbstverständlich. " Es ist unheimlich schön, zu sehen, wie die Mädchen und Jungen über sich hinauswachsen", versucht die freundliche Frau ihre Motivation in Worte zu fassen. Ebenso faszinierend empfindet sie es, wie sich die Urlauber entwickeln. Nicht nur Teamgeist entsteht in einer Gruppe von anfangs Fremden, darüber hinaus bringen die Teilnehmer viel Geduld füreinander auf und gehen fürsorglich miteinander um. " Am Ende kehren sie mit mehr Energie, Kraft und Selbstbewusstsein zurück ", nennt Gudrun Bergmann ihre Beobachtungen. Gruppenreisen und Tagesfahrten Diese positiven Veränderungen sollen nicht nur die beeinträchtigten Kinder und Jugendlichen erfahren, ist Bergmann überzeugt. Deshalb sei unter anderem im vergangenen Jahr das Reisebüro " Hin & Weg Reisen " vom Lebenshilfe-Werk Magdeburg gegründet worden. " Wir organisieren Gruppenreisen und Tagesfahrten, die alle Menschen mit einer Behinderung buchen können ", erklärt Bergmann das simple Prinzip. Während Nicht-Behinderte seit jeher selbständig, wann und wo sie wollen, Urlaub vom Alltag machen können, ist das für Menschen mit Behinderungen heute immer noch schwierig. " Bei unseren Reisen bekommen die Teilnehmer Abstand von dem Gewohnten ", preist Bergmann die Leistung des Reisebüros an, das auch für Behinderte, die nicht zur Lebenshilfe gehören, offen ist. Bisher sei es gang und gäbe gewesen, dass Behinderte entweder mit ihren Familien oder mit ihrer Wohngruppe verreisen. " Wir wollen die Möglichkeit bieten, dass sie auch einmal andere Menschen kennenlernen ", sagt Bereichsleiterin Kirsten Sternberg. Richtig durchmischt ist auch die Reisegruppe von Gudrun Bergmann. Die Teilnehmer sind zwischen zehn und 27 Jahren alt, zudem sind vom Epileptiker, Hyperaktiven bis hin zum Rollstuhlfahrer und Autisten die verschiedensten Behinderungen vertreten. Doch hinter diesen Handicaps steckt viel mehr : Menschen, die durch ihre Individualität und ihre Freude über die kleinen Dinge im Leben für Begeisterung bei ihren Mitreisenden sorgen. Dennoch : Obwohl die Teilnehmer ihren Urlaub eigenständig verbringen, sind Betreuer vorort notwendig. " Allein die medizinische Versorgung muss gewährleistet werden ", gibt Gudrun Bergmann bei all der Euphorie und Urlaubsstimmung zu bedenken. Deshalb sind in Havelberg auch sieben Ehrenamtliche mit von der Partie, die zwar nicht den großen Aufpasser mimen, aber auf jeden Teilnehmer ihre Aufmerksamkeit richten. " Unsere Ehrenamtlichen sind eine große Hilfe ", lobt Bergmann. " Die Reisebegleiter leisten ihre Arbeit mit Hingabe und Leidenschaft. " Nancy Gietz gehört zu den Freiwilligen, die mit nach Havelberg gereist sind. " Ich engagiere mich jetzt im vierten Jahr hier ", berichtet die Magdeburgerin. Die Reisen, für die sie ihren gesamten Urlaub nimmt, bilden für die Altenpflegerin eine Abwechslung zum Arbeitsalltag. " Die Freude der Teilnehmer mitzuerleben, ist einfach schön ", begründet sie ihr Engagement. Im Gegensatz zu Nancy Gietz, die inzwischen über 20 Fahrten begleitet hat, ist Gregor Kaftan ein Neuling unter den Betreuern. Der 20-Jährige absolviert derzeit ein Praktikum bei der Lebenshilfe und möchte ein Sozialpädagogikstudium aufnehmen. Die Havelberg-Reise ist sein erster Urlaub mit behinderten Menschen. " Klar ist die Betreuung Arbeit, aber sie bringt auch positiven Stress ", sagt der Magdeburger, der auf die Art Erfahrungen in Hinblick auf sein Studium sammeln möchte. Für Christoph Jassen, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, scheint in diesem Urlaub nichts unmöglich. " Gestern waren wir Tretboot fahren, heute sind wir baden gewesen und morgen schippern wir mit dem Kanu über die Havel ", erzählt der junge Mann begeistert. Der 22-Jährige verreist zum zweiten Mal in seinem Leben ohne seine Eltern und das " finde ich gut so ", sagt der Barleber. Sein Handicap rückt in diesen Tagen im Erlebnispädagogischen Centrum fast in den Hintergrund. Angebot durch Erfahrung verbessern Allein von Januar bis Ende Juni dieses Jahres hat das Reisebüro " Hin & Weg Reisen " 15 Fahrten, die zwischen sechs und 12 Tage lang waren, und zehn Tagesfahrten veranstaltet. Die Resonanz kann sich sehen lassen. 326 Frauen und Männer, vorrangig aus Magdeburg und Umgebung, haben das Angebot in diesem Jahr schon genutzt. Zum Vergleich wurden in 2008, dem Anfangsjahr des besonderen Reisebüros, 12 Urlaubsfahrten organisiert. " Wir sind bei der Auswahl unserer Urlaubsziele vorerst auf Erfahrungsberichte und Informationen aus dem Internet angewiesen ", erzählt Gudrun Bergmann.. Zwangsläufig muss es nicht ins Ausland gehen, Preis und Leistung stimmen auch in Sachsen-Anhalt. Besonders beliebt sind Ferienreisen auf die Reiterhöfe des Landes, zum Beispiel nach Angern oder Nedlitz. " Dort hat man sich auf behindertengerechte Betreuung wie das therapeutische Reiten spezialisiert ", erklärt Gudrun Bergmann. Dabei spiele das Alter keine Rolle. Außerdem böten die Kinder- und Erholungszentren des " KieZ " in Güntersberge und in der Dübener Heide jede Menge Spaß und Abwechslung. Das vielfältige Angebot im Havelberger Erlebnispädagogischen Centrum nutzen Jennifer Karstedt, Annika Willneroth und Sebastian Nowak in jedem Fall. Weil andere Teilnehmer eher zu den " Angsthasen " gehören, also gesittet im Bett schlafen, können die drei eine weitere Nacht im Zelt verbringen. |
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