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In der Jugendbildungsstätte Peseckendorf
Oscherslebener Volksstimme vom 30. Juni 2010

Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung haben 50 Schüler aus der Schule an der Bode Klein Oschersleben, der Bördeland-Schule Hornhausen und der Gerhard Schöne Schule Wolmirstedt an einer Podiumsdikusion in der Landesjugendbildungsstätte Peseckendorf teilgenommen. Die Schülerinnen und Schüler hatten mit den bildungspolitischen Sprecherinnen Frau Grimm-Benn von der SPD, Frau Feußtel von der CDU, Frau Brakebusch, der stellvertretenden Kreisvorsitzenden des CDU-Kreisverbandes Börde, Herrn Ludwig von der Bundesagentur für Arbeit und der Fachreferentin für Förderschulen beim Landesverwaltungsamt Frau Kraus sehr kompetente Gesprächspartner für ihre Fragen und Probleme. Und ihre Fragen und Probleme waren gewaltig, denn sie sorgen sich um ihre Zukunft und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Alle diese Schüler besuchen Förderschulen, in denen auf ihre Lernfähigkeit und das Lernverhalten besonders eingegangen wird und eine Förderung erfolgt. Die Lehrerinnen und Lehrer unterstützen und beraten die 14-jährigen dabei tatkräftig, speziell und zielgerichtet. In ihren Klassen haben die Mädchen und Jungen Freunde, die ihr Vertrauen genießen. Das sind die Vorteile die diese Schülerinnen und Schüler auf der Haben-Seite verbuchen können. Es fällt ihnen nicht leicht in großen Klassenverbänden und Schulen zu lernen. Sie lernen gern gemütlich un dlangsamer als ihre Altersgenossen und sie haben deshalb das Gefühl, dass sie nicht in das standardisierte "Schema" von Auszubildenen passen.
Die Platform des Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, gefördert von 'die gesellschafter', war eine sehr gute Gelegenheit, diese befindlichkeiten öffentlich zu machen und zur Sprache zu bringen.
So haben Caroline Holle und Sarah Hassel die anwesenden Politiker und Verantwortlichen aus der Verwaltung gefragt, was sie tun können, um die Schulabschlüsse von Förderschülern wertvoller und sinnvoller zu machen. Welche Erwerbsmöglichkeiten es für die Abgänger ihrer Schulen überhaupt gibt? Ob es nicht ständig weniger Berufe werden, die sie erlernen können? Sind die Mühen, Anstrengungen und Erfolge, die sie in der Schule erzielen am Ende gar nicht wichtig?
Andere Schüler stellten deutlich heraus, dass das Lernklima für den Schulerfolg sehr bedeutsam ist und die Gesellschaft ihre negative Einstellung gegenüber Förderschülern überdenken sollte, denn sie haben echt Lust auf produktive Arbeit. Einige Jungen wollen gern in der Landwirtschaft arbeiten, einige Maurer werden. Bei den Mädchen stehen soziale Berufe wie Erzieherin im Vordergrund. Alle Beteiligten haben die Argumentation der Schülerinnen und Schüler ernst genommen, konnten auf die Ängste und Sorgen aber keine befriedigenden Antworten geben. Es wird wohl noch ein langer Weg in unserer Gesellschaft sein, bis das Verständnis für die Probleme der 50 Schülerinnen und Schüler sich in ein lohnendes Erwerbsleben verwandelt.
Renate Kriegel
Landesjugendbildungsstätte Peseckendorf
 
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